Alexandra Szihn

Ist Brot essen out?

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Die "Versnackung" fängt heute leider bei vielen einfachen Dingen an. Ich habe nicht generell etwas gegen (gesunde, hochwertige) Snacks oder ein "healthy Fast Food" - doch warum abgepackte Industrie-Snacks kaufen, wenn das Angebot an gutem, handwerklich produzierten Brot vom Bäcker in Österreich so gut und vielfältig ist? Oder - mögen viele gar kein echtes Brot mehr essen? Und wissen Kinder noch, wie gut Brot schmecken kann, ganz ohne Geschmacksverstärker und Zusatzstoffe?

Ich habe ja selbst drei Kinder und mache mir immer Gedanken, ob sie auch das Richtige zu essen bekommen. Das fängt morgens beim Frühstück an und endet abends beim Abendessen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie ja auch oft genug außer Haus essen und ich da keinen Einfluss nehmen kann, was konsumiert wird. Sei es das Frühstück oder Mittagessen im Kindergarten oder die Pizza und der Süßkram vom Schulbuffet.

Leider haben der wöchentliche Menüplan und die Ernährungspyramide – beide hängen interessanterweise an Schulen und Kindergärten oft nebeneinander – wenig gemein! Deswegen versuche ich persönlich dann daheim, hier auszugleichen. Neben selbst gekochtem Essen und viel Gemüse, gibt es zuhause nichts Frittiertes. Dies ist auch einer der Gründe, warum unsere Speisen im Lokal selbst gemacht und nicht von extern und mit halbfertigen Zutaten eingekauft werden. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal.

Lange Lagerung kann den Geschmack von Brot sogar verbessern

Ich kann ja leicht reden, werden Sie jetzt sagen. Wenn man zuhause eine Bäckerei hat, gibt es natürlich immer frisches Brot. Da muss ich Sie jetzt enttäuschen. Klar hätte ich täglich die Möglichkeit, frisches Gebäck und Brot zu holen, aber wenn mal ein Kilo Brot bei uns in der Brotlade liegt, muss es auch weggegessen sein, bevor Nachschub kommt. Schon allein, damit die Kinder lernen, dass man Essen nicht wegwirft.

Wenn Sie Brot zuhause mehrere Tage aufbewahren, werden Sie feststellen, dass sich der Geschmack verändert - und zwar oft zum Positiven!

Bei der letzten Bäckertagung starteten wir dazu ein kleines Experiment: Jeder der ca. 10 Bäckereien brachte sein eigenes Lieblingsbrot mit und wir verkosteten und bewerteten es gleich am ersten Tag. Zwei Tage später verkosteten wir es ein zweites Mal, im Anschluss zwei Tage später nochmals. 90 % der Brote, es waren vorwiegend dunkle Brote mit Roggenanteil, waren am dritten Tag noch besser als zu Beginn und die Aromen traten weit deutlicher und „runder" hervor.

Wie lässt sich der Geschmack von Brot definieren?

Ebenso versuchten wir herauszufiltern, wonach Brot eigentlich schmeckt. Die Beschreibungen waren unterschiedlich – von „blumig", „süß" und „vielfältig" bis hin zu „malzig", „herzhaft", "aromatisch" und „kräftig".

Seitdem versuche ich, Brot noch „bewusster" zu genießen und auch zuhause mit meinen Kindern immer wieder mal Verkostungsexperimente zu machen. Hier machen zum Beispiel Blindverkostungen Spaß, wo jeder mit Riechen, Tasten und Schmecken erkennen kann, welche Geschmacksnoten sich entfalten. Lassen Sie Ihr Kind beschreiben, was es riecht und schmeckt und zeigen Sie ihm, dass es nicht nur 08/15-Industrieprodukte gibt, die alle gleich schmecken. Entdecken Sie auf diese Art vielleicht wieder, wie vielfältig und einzigartig unsere Brotkultur in Österreich ist und auf die wir stolz sein können.

Ich wünsche Ihnen allen viel Spaß dabei und hoffe, Ihren Appetit auf gutes Brot geweckt zu haben!

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